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Wolfsforschungszentrum — Wolf-Science-Center
www.wolfscience.at

Das Wolfsforschungszentrum, international mit "wolf-science-center" (WSC) bezeichnet, befindet sich in Österreich. Es handelt sich um eine Forschungsstation in Ernstbrunn in Niederösterreich, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die kognitiven und kooperativen Fähigkeiten von Wölfen näher zu erforschen. Letztendlich will man auch zur Entmystifizierung des Wolfes beitragen und dem Wolf wieder den Stellenwert im Bewusstsein der Menschen geben, der ihm als Lebewesen im Biokosmos gebührt. In dieses Forschungsprojekt sind aber nicht nur Wölfe, sondern auch Hunde und deren Halter mit einbezogen, ein bis dahin einmaliges Forschungsvorhaben.

Wenn auch die Wölfe zu wissenschaftlichen Zwecken gehalten werden, so sind sie dort keinesfalls Versuchstiere im üblichen Sinn. Sie werden als Partner des Menschen aufgezogen. Weiträumige Freigehege erlauben, dass sie ihren Bedürfnissen gemäss leben können, z. B. auch Rückzugsmöglichkeiten haben und ihre Ruheplätze von Besuchern nicht eingesehen werden können. Die Wölfe finden landschaftliche Verhältnisse vor, die ihrem natürlichen Umfeld und ihren ursprünglichen Lebensbedingungen entsprechen. Man legt grossen Wert darauf, dass sie artgerecht leben können. Denn letztlich dient dies auch dazu, authentische Forschungsergebnisse zu erhalten. Die Wolfsgehege sind in einem Wildpark angesiedelt. Das hat den Vorteil, dass auch Besucher die Wölfe beobachten können.

Frau Dr. Friederike Range, Frau Dr. Zsófia Viànyi und Prof. Dr. Kurt Kotrschal leiten gemeinsam das Wolfsforschungszentrum. Alle Wissenschaftler dieses Projekts arbeiten eng mit der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle, der Universität Wien, Abteilung für Neurobiologie und Kognition, der Universität Budapest, Abteilung für Ethologie, Clever Dog Lap sowie dem Wolf Park in Indiana, USA und dem International Wolf Center in Minnesota, USA zusammen.

Das Projekt wurde 2008 mit vier Wolfswelpen ins Leben gerufen und das Wolfsgehege des WSC war zunächst im Cumberland Wildpark Grünau im Almtal e. V. in Oberösterreich untergebracht

Als jedoch 2009 in Aussicht gestellt wurde, sechs weitere Wolfswelpen aus den USA dazu zu bekommen, war das Areal nicht mehr gross genug. Um alle Wölfe artgerecht unterbringen zu können, musste man deshalb bereits nach einem Jahr einen neuen Standort finden und umsiedeln.

Der Wildpark Ernstbrunn in Niederösterreich, ca. 50 km nördlich von Wien, erklärte sich relativ kurzfristig bereit, die Lokalitäten zur Unterbringung des WSC zur Verfügung zu stellen. Dort war man herzlich willkommen. Die Gespräche mit Prinz Heinrich von Reuss, dem Besitzer des Wildparks, des Schlosses und des Guts Ernstbrunn, mit seinem Mitarbeiterstab und auch mit dem Bürgermeister der über 3000 Einwohner zählenden Gemeinde Ernstbrunn verliefen sehr positiv und eröffneten aussichtsreiche Perspektiven für ein langfristiges Gelingen. So erklärten sich die Ernstbrunner bereit, die Gehege zu stellen und einen Beitrag zum Futter zu leisten, so dass die finanziellen Mittel, die dem WSC zur Verfügung stehen, überwiegend dem wissenschaftlichen Bereich und der Arbeit mit den Tieren zugute kommen können. Sie einigten sich, dass sowohl die Gemeinde als auch das WSC gemeinsam um die Öffentlichkeits- und Informationsarbeit bemüht sind.

Die Ernstbrunner legten auch kräftig Hand mit an, um in kurzer Zeit entsprechende Bedingungen zur Unterbringung der Wölfe zu schaffen. Denn der Umzug sollte schon vollzogen sein, wenn die Wolfswelpen eintreffen würden. Innerhalb von drei Wochen wurde ein Teil des barocken "Küchengartens" des Schlosses Ernstbrunn renoviert und als Übergangslösung dem WSC überlassen. Der Küchengarten ist ca. 8000 m2 gross und von einer Mauer umgeben. Das dazugehörige Gebäude kann zur Aufzucht der Welpen und für Forschungszwecke der inzwischen einjährigen Wölfe genutzt werden.

Im Mai 2009 fand schliesslich der Umzug der inzwischen einjährigen Wölfe in ihr vorläufiges Domizil statt. Am 18. Mai trafen die vier aus dem US-Bundesstaat Montana eingeflogenen vier Timberwolf-Welpen, sowie zwei Wolfswelpen vom Baseler Zoo ein. Sie sollen zusammen mit den USA Wolfswelpen eine Welpengruppe bilden. Seit Pfingsten können sie schon nach kurzer Eingewöhnungszeit im Gehege beim Schloss bewundert werden.

Man will noch im Jahr 2009 endgültige Gehege errichten. Es sollen zwei Wolfsgehege von je 8000 m2, ein Gehege für Schlittenhunde und ein Forschungsgebäude entstehen. Derzeit hat das WSC zusätzlich noch einen Büroraum von 100 m2 angemietet. Den könnte man "als Keimzelle der neuen WSC-Forschungsstelle" bezeichnen.

Damit hat das WSC jetzt in Ernstbrunn die Chance, ein dauerhaftes Domizil gefunden zu haben und langfristig Erfolg versprechend wissenschaftlich arbeiten zu können. Auch landschaftlich hat Ernstbrunn einiges zu bieten, da es am Fusse der Leiser Berge liegt, eingebettet zwischen malerischen Weinbergen und mit relativ geringer Entfernung zur Landeshauptstadt Wien.

Grundsätzlich geht es bei diesem Forschungsprojekt um die Förderung der wissenschaftlichen Arbeit an Wölfen und anderen Canidae (Hundeartige). Man will mehr herausfinden über die kognitiven Fähigkeiten der Wölfe und Hunde. Die kognitiven Fähigkeiten sollen schliesslich im Zusammenhang mit ihren Sozialbeziehungen, die sie zu Artgenossen pflegen, erforscht werden. Es sollen diese aber auch in Kontakten mit artfremden Spezies und Menschen untersucht werden. Ausgehend von der These, dass "Kooperation die Basis eines komplexen Sozialsystems" ist, will man dies an Wölfen, Hunden und Menschen genauer ergründen. Ziel dieses Projekts ist, einen differenzierten und detaillierten Einblick in die evolutionären, emotionalen und kognitiven Prozesse von Kooperation und deren Entwicklung zu gewinnen, dies aber nicht nur an Wölfen, sondern auch an Hunden und Menschen und deren gegenseitiger Bindung. Das bedeutet, dass in diesem Wolfsprojekt nicht nur Wölfe, sondern erstmalig auch Rassehunde und Mischlinge, sowie Menschen in ihrem Zusammenwirken erforscht werden und mit Wölfen, Hunden und ihren Hundehaltern gearbeitet wird.

Der WSC entwickelt sich zum derzeit grössten und bedeutendsten experimentellen Wolfsprojekt der Welt. Dies wird unweigerlich zur Folge haben, dass Ernstbrunn zunehmend an Attraktivität für Besucher aus aller Welt gewinnen und weit über Österreich hinaus Aufmerksamkeit erhalten wird. Es ist bestimmt nicht übertrieben zu prognostizieren, dass man den Focus auf Ernstbrunn und das Wolfsforschungszentrum richten wird, wenn es um Fragen und neue Erkenntnisse zum Verhalten des Wolfes und den Umgang mit ihm sowie seiner Sozialpartner geht.

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