Rasseportrait: Der Eurasier – ein ursprünglicher Familienhund

Es war in den ausgehenden fünfziger Jahren, als Julius Wipfel, ansässig in Weinheim Deutschland den Plan fasste, einen natürlich aussehenden, ursprünglichen, mittelgroßen Hund, ausgehend von sehr alten Rassen, zu erzüchten. Er sollte sich optimal als Familienhund eignen. Wipfel wollte das ursprüngliche Wesen des Chow-Chows mit dem gesunden Fortpflanzungsverhalten und der Unkompliziertheit des Wolfsspitzes kombinieren. Er liebäugelte, eine neue polarhundtypische Hunderasse mit schönen Farben, einem natürlichen, wölfischen, unverbildeten Erscheinungsbild und einem reizvollen, unseren Verhältnissen angepassten Wesen zu erzüchten.  Schon aus den ersten Verpaarungen 1960 entstanden Hunde, die dem angestrebten Zuchtziel recht nahe kamen. Diese Ausgangstiere, zunächst einmal Wolf-Chow genannt, bildeten die Zuchtbasis für die neue Hunderasse. Schließlich wurde 1972 eine weitere, sehr alte Rasse, der sibirische Samojede, eingekreuzt. Er brachte die Eleganz im Körperbau, das schwungvolle Gangwerk und das freundliche Wesen mit.  Der Rassename „EURASIER“ wurde festgelegt nach den Ursprungsländern der Ausgangsrassen: Wolfsspitz – Europa, Chow-Chow und Samojede – Asien.

Seit 1973 ist der Eurasier vom VDH und der F.C.I  anerkannt und wird heute innerhalb des VDH von drei Vereinen vertreten. Als jüngste deutsche Hunderasse vereint er die positiven Eigenschaften sehr alter, ursprünglicher Hunderassen, von Wolfsspitz, Chow-Chow und Samojede.

Der Eurasier ist ein harmonisch aufgebauter, mittelgroßer spitzartiger Hund nordischen Typs. Rüden sind ca. 52 – 60 cm groß (Idealgröße 56 cm) und wiegen zwischen 22 – 30 kg, Hündinnen sind ca. 48 – 56 cm groß (Idealgröße 52 cm) bei einem Gewicht von 18 – 26 kg. Den Eurasier gibt es in vielen attraktiven Farbschlägen, rot bis falben, wolfsfarben, wolfsgrau, rein schwarz und schwarz mit abgegrenzten, hellen Abzeichen. Bei der Zucht spielt die Fellfarbe keine Rolle; Gesundheit, rassetypisches Aussehen und ausgeglichenes Wesen stehen im Vordergrund.

Der Eurasier ist kein “Einmannhund”, sondern er ist mit der ganzen Familie verbunden. Liebhaber der Rasse schätzen sein Selbstbewusstsein und sein ruhiges, ausgeglichenes Temperament. Aufmerksam meldet er Besucher, bellt jedoch nicht anhaltend. Fremden gegenüber zeigt er sich neutral. Auf seine Familie ist er sehr stark fixiert. Seine einmalige Resonanzfähigkeit und sein Charakter erlauben ihm, dass er sich leicht in verschiedene häusliche Verhältnisse eingewöhnen kann; Er fühlt sich auf dem Bauernhof oder in der Etagenwohnung genauso wohl wie im Haus am Waldrand. Egal, ob bei einer Einzelperson,  einem Ehepaar oder in Familien mit kleinen und großen Kindern untergebracht, natürlich auch zusammen mit Haustieren wie Katzen, Kaninchen, Vögeln, er passt sich jedem familiären Umfeld gleichermaßen an, Hauptsache, er kann mit seinen Bezugspersonen zusammen sein. Auch als Begleiter älterer Menschen hat er sich bestens bewährt.

Von Anfang an war es Wipfels Wunsch, Welpen nur nach Bedarf zu erzüchten. Daraus entwickelte sich ein besonderes System der Zucht und Welpenvermittlung mit dem Ziel, lebenslang für die erzüchteten Welpen Verantwortung zu übernehmen. Noch heute folgen wir in der Kynologischen Zuchtgemeinschaft Eurasier e.V. den Idealen des Rassegründers. Eurasierzucht ist Hobbyzucht und findet nur dann statt, wenn genügend Interessenten bei einer zentralen Welpenvermittlung gelistet sind. Das bedeutet, dass es eventuell zu einer kleinen Wartezeit auf einen Eurasierwelpen kommen kann. Für alle Fragen zur Aufzucht, Erziehung, Ernährung oder bei Erkrankung des Eurasiers stehen kundige Eurasierliebhaber jederzeit zur Verfügung. Die Einrichtung  „Eurasier in Not“ trägt Sorge dafür, Rückgabehunde an einen Neubesitzer zu vermitteln oder auch mittels eines eigens eingerichteten Hilfsfond bei sonstigen Schwierigkeiten zu helfen.

Sein angemessenes Sozialverhalten mit Artgenossen wird der Eurasier dann optimal entwickeln können, wenn er von Anfang an unabgeleint viele Kontakte zu Artgenossen hat. Der Besuch einer guten Welpenspielstunde wird angeraten. Die großen Hundespaziergänge der VDH-Eurasiervereine mit fröhlich spielenden Hunden aller Farben sind ein ganz besonderes Erlebnis für Zwei- und Vierbeiner und eine sehr wichtige Erfahrung vor allem für den Junghund.

Der Eurasier liebt es sehr, wenn man sich mit ihm beschäftigt und er seine Menschen auf allen ihren Unternehmungen begleiten darf. Dass er ein eher ruhiger Hund ist, bedeutet keineswegs, dass er draußen völlig temperamentlos neben seinem Halter hertrabt. Er liebt durchaus die Abwechslung sowie die körperliche und geistige Beschäftigung, aber er ist kein Hund, mit dem man arbeiten muß, um ihn auszulasten; er ist mit den Lebensbedingungen als Mitglied in der Familie durchaus zufrieden. Selbstverständlich sollten sich seine neuen Besitzer vor der Anschaffung darüber einigen, was er darf und was nicht, und diese klaren Regeln von Anfang an dem Hund verständlich machen. Er darf keinesfalls sich selbst überlassen werden. Beginnt man schon beim Welpen spielerisch mit der Erziehung, gewährt ihm vollen Familienanschluss und behandelt ihn mit Liebe, Geduld und Konsequenz, entwickelt er sich in der Regel zum angenehmen und problemlosen Begleiter und ist leicht zu erziehen. Nach abgeschlossener Skelettentwicklung mit einem Jahr wird er auch beim Joggen, Fahrrad fahren oder Bergwandern sowie am Pferd gerne Begleiter sein. Hundesport ist mit ihm genauso möglich. Jeder sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass ständige sture Wiederholungen von Übungen seinem Naturell nicht entsprechen. Wer also absoluten Gehorsam als wichtigste Eigenschaft im Zusammenleben mit seinem Hund erwartet oder besonders ehrgeizige Pläne im Hundesport hat, sollte sich eher für eine andere Rasse entscheiden. Erfolgreich können Eurasier Begleithundprüfungen ablegen; nicht geeignet sind sie  für die Schutzhundausbildung, da ihn jegliche Ausbildung in fremder Hand oder in Hundeschulen ohne die Anwesenheit seines Besitzers verderben würde. Auch in Zwingerhaltung würde er verkümmeren.

Obwohl der Eurasier zu den langhaarigen Rassen zählt, ist seine Pflege unkompliziert. Das Fell besteht aus einer Doppelbehaarung mit mittellangem Grannhaar und dichter Unterwolle. Es hat durch seinen schützenden Fettfilm natürliche, schmutzabweisende Eigenschaften. Braucht der Junghund zur Eingewöhnung tägliche Pflege, reicht beim erwachsenen Hund ein zweimaliges Bürsten pro Woche aus. Gebadet wird der Eurasier nicht. Das Fell ist ohne den üblichen Hundegeruch. Wenn das Haar wechselt, ist etwa drei Wochen lang zum Entfernen der Unterwolle tägliches Bürsten angebracht.

Bezüglich der Ernährung ist er erstaunlich genügsam. Gerade in der Wachstumsphase ist die Versorgung mit frischen Nahrungsmitteln wichtig. Er zählt zu den eher schnellwüchsigen Rassen. Ganz entscheidend ist, dass er im ersten Lebensjahr nicht überfüttert wird, damit die noch weichen Gelenke nicht mit zu viel Gewicht belastet werden. Um seinem ausgesprochen reinlichen Verhalten und seinem natürlichen Bewegungsdrang entgegenzukommen, sollte er zwei – dreimal täglich ausgeführt werden, mindestens ein ausgiebiger Spaziergang von eineinhalb bis zwei Stunden ist wünschenswert. Der Eurasier hat in der Regel kein ausgeprägtes Jagdverhalten, das heißt stundenlanges Verfolgen von Wildspuren gehört nicht zu seinem Verhalten. Zwar besitzt er den üblichen, jedem Hund angeborenen Beutetrieb, aber durch konsequente Erziehung kann man diesen eindämmen. Die guten Anlagen des Eurasiers müssen dabei geweckt und gepflegt werden.

Gesundheitlich ist der Eurasier robust und vital; rassetypische Erkrankungen spielen nur eine sehr untergeordnete Rolle. In der VDH-Zucht wird auf gesunde Hüft- und Kniegelenke besonders geachtet. Die Population ist deshalb nur gering damit belastet. Auch eine Augenuntersuchung ist Pflicht, um eventuell vorhandene Augenerkrankung der Ausgangsrassen auszuschließen, die aber ebenfalls nur eine geringe Rolle spielt. Viele Eurasier sehen den Tierarzt nur zum Impfen. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist für einen mittelgroßen Haushund recht hoch, 12 bis 15 Lebensjahre sind keine Seltenheit.

Durch das angenehme Wesen und Erscheinungsbild des Eurasiers sowie die zunehmende Nachfrage entstanden in den letzen Jahren immer mehr Zuchtstätten außerhalb des VDH. Einige von ihnen züchten mit Tieren, die die hohen Zuchtauflagen der VDH-Vereine hinsichtlich Wesen oder Gesundheit nicht erfüllen. Auch werden abenteuerliche Rassekreuzungen als Eurasier angeboten, da die Bezeichnung nicht geschützt ist. Zwar gibt es zwischen den züchterischen Konzepten der drei VDH-Eurasier-Vereine Unterschiede, jedoch funktioniert die Zusammenarbeit zum Wohl der Rasse sehr gut. Wer sich für einen Hund interessiert, wie er hier beschrieben ist, sollte sich daher sehr genau informieren und auf jeden Fall einen Eurasier aus VDH-Zucht wählen.

Weitere Informationen:
Kynologische Zuchtgemeinschaft für Eurasier  (KZG),Ingried Böhringer, Merscheider Straße 252, D-42699 Solingen, Telefon: 02 12 / 33 05 86,
Mail: welpen@kzg-eurasier.de,
Web: www.kzg-eurasier.de

Eurasier Club Austria (ECA), Rosemarie Kotrschal, Felderweg 6, A-4644 Scharnstein, Tel. 07615 / 7635,
Mail: eurasier_kotr@.yahoo.de,
Web: www.eurasier-club-austria.a