Bruder Wolf

Walter Vorbeck mit seinem Eurasier-Rüden Häger vom Wolfsbach

Walter Vorbeck mit seinem Eurasier-Rüden Häger vom Wolfsbach (Foto Thomas Post)

Da ich das Glück habe, das Aufwachsen der Wolfswelpen im Wolf-Science-Projekt in Ernstbrunn in Österreich unmittelbar mitverfolgen zu dürfen, insbesondere das von meinem Patenwolfwelpen Geronoimo aus Dakota / USA, will ich auf dieser Seite Fotos und Beiträge anbieten mit jeweils neuesten Informationen aus dem Wolfsgehege.

Sie sollen dabei über das Wolfsforschungsprojekt, seine Ideen und Menschen, die dahinter stehen, und die Ziele, die man sich dort gesetzt hat, informiert werden. Von Zeit zu Zeit werde ich Ihnen die schon einjährigen Wölfe in ihrem Lebensumfeld zeigen, von den Forschungen und Tests mit den Wölfen, Hunden und Menschen, die in das Projekt integriert sind, berichten. Vor allem aber möchte ich Sie teilhaben lassen an dem Aufwachsen der Wolfswelpen. Sie werden ihre Flaschenaufzucht, Gewöhnung an den Menschen, ihr ausgelassenes Spiel, die ersten spielerischen Rangkämpfe und das ausgeprägte Sozialverhalten in Wort und Bild miterleben. Vielleicht kann ich Sie von meiner Faszination für Wölfe begeistern und Sie ebenfalls dafür motivieren. Jedenfalls würde ich mich freuen, wenn Sie meine Seiten regelmässig besuchen würden.

Mit dem Wolf verbindet mich eine tiefe Beziehung, die bereits in Kindestagen entstand. Ich lernte ihn zunächst durch die Märchen der Gebrüder Grimm kennen. Es war ein “böser” Wolf, der da beschrieben wurde, obgleich ich in meiner kindlichen Gefühlswelt stets auf seiner Seite war.

Als Schuljunge begegnete er mir in Fabeln wieder. In der dortigen literarischen Form erkannte ich in der Vermenschlichung seiner Charakterzüge ein kluges, führungsorientiertes Tier in ihm, dem ich Bewunderung zollte. Menschliche Züge wie Tatkraft, Willensstärke, Durchsetzungsvermögen, Führungswille, aber auch Wandlungsfähigkeit, soziale Integration, Anpassungsfähigkeit, Gerechtigkeitsempfinden, Demut gewachsenen, natürlichen Strukturen gegenüber und dauerhafte Treue imponierten mir. Ihn als Beschützer und Sorgenden für seine Kleinfamilie oder sein Rudel zu erleben, der diese für den Menschen schwer einhaltbaren Ideale umsetzt, dafür kämpft und sie verteidigt bis auf den Tod, ließ den Wolf für mich Vorbildfunktion einnehmen. Alles in allem idealisierte ich den Wolf als ein Wesen, das in idealer Weise menschlicher Vollkommenheit nicht nur glich, sondern sie, im Gegensatz zu uns Menschen auszufüllen vermochte.

Aufgewachsen im waldreichen Spessart zog es mich zum Erforschen der Natur und zum Spielen immer hinaus in die naheliegenden Wälder. Es gab eine Zeit, da war für mich nichts attraktiver als Indianer und Trapper zu spielen. Den Stoff hierzu holten wir Jungen uns aus den Karl May Büchern. Es gab eine Phase, da verschlang ich sie geradezu. Auch Ruf der Wildnis und Wolfsblut von Jack London waren dutzendfach von mir gelesene Bücher.

Durch die Bücher wurde mein Interesse an den Indianern geweckt. Späterhin begann ich, mich ernsthaft mit den Indianern zu beschäftigen, studierte ihre Stammeskulturen, ihren Niedergang und die Vertreibung aus ihren Lebensräumen. Da blieb es nicht aus, dass ich auch wieder auf den Wolf traf. Nun erlebte ich ihn nun als soziales, dem Menschen nicht feindlich gesinntes, sondern als zurückhaltendes, scheues Wesen, das dem Menschen sehr nahe war, sein treuester Freund werden konnte. Mehr und mehr wollte ich nun über Wölfe wissen. Über Beziehungen kam ich 1988 an das Buch “Der Wolf ” von Prof. Dr. D.I. Bibikow, ein Werk über die Erforschung der Ökologie des Wolfes vorwiegend in den Weiten Russlands sowie der ganzen Welt. Meine Wolfsbibliothek wuchs fortan beträchtlich, ebenso die Literatur über die Entstehung unserer Haushunde, auch über die Versuche von Rückzüchtungen.

Schließlich blieb es nicht aus, 1993 einen wolfsähnlichen Sozialpartner in die Familie zu holen. Die Wahl fiel nach dem Lesen des Buches von Julius Wipfel “Der Eurasier” auf eben diesen sehr ursprünglichen, polarhundetypischen Haushund. Mit unserem ersten Eurasier “Hägar vom Wolfsbach” kam ein solcher Typus, gleichermassen treuer Gefährte, in unsere Familie. Weitere drei Eurasier sollten folgen, zwei davon leben derzeit in unserem Haus.

Mitte Februar 2009 hatte ich die Gelegenheit, im tief verschneiten Wildpark Grünau in Österreich ein sehr interessantes Wolfsprojekt aus nächster Nähe einzusehen.

Vier junge, erstaunlich kooperative Timberwölfe werden hier von einem Wissenschaftlerteam, Frau Dr. Friederike Range, Frau Dr. Zsofia Viranyi und Herr Prof. Dr. Kurt Kotrschal, Präsident des Eurasier Clubs Austria, aufgezogen. Der Eurasierhündin Bolita von Familie Kotrschal, eine der Ziehmütter der jungen Wölfe, zollte das Jungwolfrudel immer noch gehörigen Respekt. Es war ein unvergessliches Erlebnis der besonderen Art, das man nicht so leicht vergessen wir, selbst inmitten des Wolfsrudels Kontakt mit den mittlerweile bis zu 60 Kg schweren Jungwölfen aufzunehmen, Auge in Auge mit dem Urahn unserer Hunde.

Wissenschaftlich erforscht werden hier die Lernfähigkeit, das Wahrnehmungs- und Erinnerungsvermögen sowie die Kooperationsfähigkeit von Wölfen und Hunden vor allem im Zusammengang mit ihren Sozialbeziehungen zu Artgenossen und zu menschlichen Partnern. Die Langzeitbeziehung mag in den ähnlichen Lebensstilen liegen, warum gerade der Wolf in Gestalt des Hundes zum engsten, tierischen Sozialpartner des Menschen wurde und vor vielen tausend Jahren Seite an Seite mit ihm die Welt besiedelte.

In hohem Maße  von der Arbeit mit den Wölfen beeindruckt entschloss ich mich, einen bescheidenen Beitrag, vor allem zur weiteren Finanzierung dieses wissenschaftlichen Wolfsforschungsprojektes, zu leisten.

Helfen auch Sie, mit Spenden, dem Kauf von Wolfsartikeln und/oder einer Mitgliedschaft, Info unter www.wolfscience.at, dieses Langzeitprojekt zu unterstützen.

Walter Vorbeck mit Wolfswelpen

Walter Vorbeck mit Wolfswelpen (Foto Iris Wolter)

Ihr Walter Vorbeck